Plattenladen-Liebe trotz Vinyl-Stopps: Das ist Marcus von recordstores.love

recordstores.love von Marcus Maack ist ein Projekt, von dem Millionen Liebhabern von Plattenläden profitieren. (rechtes Foto von Sarah Döring)

Marcus Maack betreibt eine Website, von der Millionen Plattenladen-Liebhaber profitieren. recordstores.love heißt sie. Es hat Jahre gedauert, bis sie derart umfangreich geworden ist. Anfangs ist sie ein kleines, privates Projekt gewesen.

Von Sascha-Pascal Schimmel

80 Kisten vollgepackt mit Vinyl. Das sind Tausende Scheiben. Die mussten Marcus Maack und seine Helfer während seines bisher letzten Umzugs in die neue Wohnung wuchten. “Das ist viel zu viel”, dachte sich Marcus kurz darauf – und hat sich dazu entschieden, kein neues Vinyl mehr zu kaufen. Sein Herz für Plattenläden hat er sich aber bewahrt.

Marcus ist Jahrgang 1971: geboren in Hamburg, wohnt in Hamburg. Der 50-Jährige bezeichnet sich als Workaholic, arbeitet an mehreren musikalischen Projekten. Eines ist die Website recordstores.love. Sie zeigt euch mit Hilfe einer Weltkarte, wo ihr den nächsten dort vermerkten Plattenladen findet. Die Läden verteilen sich auf alle Kontinente, befinden sich teils auf entlegenen Inseln mitten im Pazifischen Ozean. Schwerpunkte sind Europa, Nordamerika, Australien und Japan mit Tausenden Einträgen.

Diese Infos zu Plattenläden liefert recordstores.love

Foto von Marleen Records auf recordstores.love mit Besitzer Martin Hasenauer
Kontaktdaten von Marleen Records in Fulda auf recordstores.love
Kurzbeschreibung von Marleen Records auf recordstores.love

Regelmäßige Trips nach London

Die Website ist seit etwa zehn Jahren online – also für jeden Liebhaber von Record Stores auf der Welt. Gestartet ist sie als kleines Privatprojekt. “Es war erst einmal eine Website mit Läden, die ich mag”, sagt Marcus, der in der Schule mit dem Programmieren begonnen hat. “Damit ich nicht immer wieder gucken musste, wo sich ein Record Store befindet, wenn ich mal wieder eine Stadt besucht habe.”

So erstellt und programmiert Marcus unter anderem eine Übersicht über Plattenläden in London. Dort ist der Hamburger, der seit 1992 als Moderator für den heutigen Webradio-Sender ByteFM arbeitet, schon damals regelmäßig gewesen. “Als Moderator habe ich viele Promos – auch als Vinyl – bekommen”, erzählt er. “Nach London bin ich dann gefahren, um Platten zu kaufen, die ich hier nicht bekommen habe.”

Discogs-Forum pusht junges recordstores.love

Als Marcus gemerkt hat, dass sich auch andere für seine Laden-Liste interessieren, hat er sie auf Discogs geteilt – in einem Forum für internationale Record Stores. Von dort hat die Liste ihren Weg in speziellere Foren gefunden. Und andere Vinyl-Fans dazu animiert, an dem Projekt mitzuarbeiten. “Auf einmal sind Hunderte neue Läden auf der Website gewesen”, erinnert sich Marcus. “Zum Beispiel aus Frankreich und Schweden.”

Neue Stores kann eigentlich jeder auf recordstores.love posten. Marcus checkt dann die Infos zu den Läden und los geht’s. Dennoch habe es Jahre gedauert, bis sich – stellvertretend für die Geschäfte – relativ viele Marker auf der Karte befunden hätten.

Marcus Maack, Macher von  recordstores.love und bekannt als Der Vinylizer
Das isser: Marcus Maack von recordstores.love (Foto: Sarah Döring)

“Für die ‘westliche’ Welt ist die Website mittlerweile recht ausführlich”, sagt Marcus. Die größten Lücken gibt es in Afrika und Asien.

Ohne Engagement haut das Plattenläden-Projekt nicht hin

recordstores.love ist ein Projekt, von dem Millionen Plattenladen-Liebhaber profitieren. Ein Projekt, das ordentlich Engagement erfordert. “Ich besuche weiterhin aktiv Läden”, sagt der Macher der Seite. “Vor Corona bin ich viel in großen Städten im europäischen Ausland gewesen. Zuletzt habe ich eine Tour durch Deutschland gemacht.” Auf dieser Tour hat der Hamburger auch Marleen Records in Fulda besucht. Während seiner Besuche fotografiert Marcus Laden und Besitzer – für die Website und Instagram. Mehr als 11.000 Menschen folgen mittlerweile der Insta-Seite.

Ein echter Zeitfresser ist laut Marcus die Pflege der Website. “Die sah vor zehn Jahren noch nicht so aus wie heute”, sagt er. “Das ist jetzt die dritte geschriebene Version. Nun ist die Seite auch mobil gut nutzbar.” Daneben fallen Kosten für Hosting und GoogleMaps an. Ja, das kostet etwas, wenn man den Kartendienst für ein solches Projekt nutzt. Nutzer und Plattenläden können Marcus unterstützen, damit er auf diesen Kosten nicht (vollkommen) sitzen bleibt (Hier geht’s zur Support-Seite). “Ein paar Record Stores machen das”, sagt der Hamburger. “Das deckt die Fix- und einen Teil meiner Reisekosten.” Leben kann der 50-Jährige von recordstores.love also nicht. 

Codieren für den Lebensunterhalt

Muss er zum Glück aber auch nicht. An vier Tagen in der Woche arbeitet Marcus als Website-Entwickler. Bereits während des Mathe-Studiums hat er für ein Unternehmen programmiert. Daneben moderiert Marcus regelmäßig die Sendereihe “Back to the Basics”. Da gibt’s ordentlich Bass-Musik auf die Ohren. “Meine Radiosendung mache ich mit Neuheiten”, sagt der Moderator. “Dafür muss ich ständig Musik hören. Ich komme gar nicht mehr dazu, mein Vinyl zu hören.” (Auf Mixcloud findet ihr einige Sendungen von „Back To The Basics“)

Anders als das Radio, liegt das Thema DJing wegen Corona weiterhin größtenteils auf Eis. Normalerweise legt Marcus in Clubs auf. Er ist Teil der WobWob!-Crew. Die sei in der Bass-Szene ein Begriff, sagt er. Gerade zu Beginn der Pandemie haben sich Marcus und seine Jungs regelmäßig getroffen – zum Auflegen und Streamen im Netz. “Das war wirklich schön”, sagt der Hamburger. “Man ist ja viel allein gewesen.” Mit der Zeit habe die Frequenz der Streaming-Events aber nachgelassen. (Hier geht’s zu einem DJ-Set mit WobWob! auf Youtube)

Bass-Musik aus Hamburg auf 7-Inch

Dafür haben Marcus und seine Crew ein Musiklabel an den Start gebracht. WobWob!-Records heißt es. Es soll lokalen Künstlern, die zumindest auf Vinyl noch nichts veröffentlicht haben, eine Plattform bieten. Bisher hat das Label zwei 7-Inches released (Kami / Usus – Underneath / Massive und Bukkha / Conzi – Judgement / Swear Dub). Einmal mit 100er-, das andere Mal mit 200er-Auflage. Und bald soll die dritte 7-Inch ihren Weg in die Plattenpresse hinein und wieder hinaus finden. Wieder in geringer, wenn auch steigender Stückzahl.

Als Sammler hat Marcus also einen Schlussstrich gezogen. Dass die Leute auf neue Musik und Record Stores aufmerksam und mit neuem Vinyl versorgt werden, dazu trägt der Hamburger weiterhin seinen Teil bei.

~ von Marleen Records - Januar 20, 2022.

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